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Die Synagoge am Wörlitzer See
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Das Innere der Synagoge
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Blick in die Kuppel
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Wörlitzer Anlagen, Schlossgarten, Synagoge
Wörlitzer Anlagen, Schlossgarten, Synagoge
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Projekt Synagoge in Wörlitz

Vollendeter Rahmen
für Einblick in jüdisches Leben

Restaurierte Synagoge

Welche Verfahren retten eine schwammbefallene seltene Kuppel-Konstruktion? Wie kann ein Bauwerk trockengelegt werden, dessen Fundamente unterhalb des Seewasserspiegels liegen? Kann eine alte Putztechnik einem modernen Sanierputz überlegen sein?


Im Juni 2003 wurde die dritte umfassende Instandsetzung der Wörlitzer Synagoge nach dem Zweiten Weltkrieg abgeschlossen. Anlass bot die Absicht der Moses-Mendelssohn-Gesellschaft Dessau e.V., eine neue Dauerausstellung zu Kultur und Geschichte der Juden in Anhalt zu gestalten. Die Wörlitzer Synagoge als bauliche Hülle und zugleich als deren»Hauptobjekt« rückte im Programm zu Sanierungsvorhaben der Kulturstiftung DessauWörlitz auf einen der vorderen Plätze.

Die Dachkonstruktion ist eine wahre Meisterleistung

Vom World Monuments Fund zur Verfügung gestellte Mittel sollten das Dach der Synagoge und das Innere der Kuppel in einen denkmalwürdigen Zustand bringen. Bereits die Aufnahme des ersten Segmentes der Dachdeckung förderte eine traurige Überraschung zu Tage: Die gesamte Konstruktion erwies sich als schwammbefallen, schien sogar einsturzgefährdet.

Die Schäden an den Sparren waren dramatisch, eine Sanierung nur mit Hilfe von Stahlverbindungen und eines Stahlbeton-Ringankers möglich. Dies hätte jedoch bedeutet, das wirklich Denkmalwürdige – die seltene Holzkonstruktion – aufgeben zu müssen. Nur mit Mühe gelang es, einen Statiker zu finden, der sich an die Berechnung einer Reparatur in situ mit den vorgefundenen Verbindungsmitteln wie Zapfen, Holznägeln und Bauklammern wagte. Es stellte sich heraus, dass das statische System der Dachkonstruktion eine architektonische Meisterleistung ist. Die Haupttragfunktion liegt bei der Kuppel, auf der sich das Sparrendach abstützt. Durch hölzerne Druckringe unterhalb der Laterne und als Zugringe konstruierte Schwellen an den Fußpunkten von Sparren und Spanten, verbleiben die Horizontalkräfte in der Holzkonstruktion und belasten an keiner Stelle das gegen Schubkräfte empfindliche Mauerwerk.

Die Schäden an der Synagoge waren demnach nicht auf eine mangelhafte Konstruktion zurückzuführen, sondern auf die zu manchen Zeiten mangelnde Möglichkeit, den Bau zu pflegen. In vorbildlicher Weise wurde das Vorgefundene jetzt erneut in handwerklicher Technik repariert, Sparren für Sparren und Spant für Spant, fast ausschließlich mit altem, abgelagerten Holz, das beim Abbruch einer Scheune gewonnen werden konnte. Die ursprünglichen Trageigenschaften sind wieder in Funktion und eine bemerkenswerte historische Konstruktion kann künftigen Generationen überliefert werden.

Sanierung der Mikwe

Eine besondere bauliche Situation an der Synagoge stellt die Mikwe dar, ein permanent feuchtes Bauteil, da Fundamente und umgebendes Erdreich unterhalb des Seewasserspiegels stehen. Baukonstruktive Optimierungen, mit denen Feuchte- und damit Salzeinträge minimiert werden könnten, wären nur durch enorme bautechnische Eingriffe realisierbar gewesen, die aus denkmalpflegerischen Gründen abgelehnt werden müssen. Um dennoch den kapillaren Wassertransport in den Erdgeschossbereich hinein zu unterbinden, kam in der Sockelzone des Betraumes eine in den Putz gelegte Bauteiltemperierung zum Einsatz, hier als elektrische Wandheizung ausgeführt.

Die Bauteiltemperierung wird gleichzeitig als Strahlungsheizung fungieren und ausreichen, den Raum frostfrei zu halten und Kondenswasser an den Wänden zu vermeiden. Da der ursprüngliche Putz im Inneren ohnehin bis in eine Höhe von ca. 1,50 m verloren war, musste für den Einbau keine Originalsubstanz geopfert werden. Mittel der Deutschen Bundesstiftung Umwelt werden es ermöglichen, einen Beitrag zu der noch immer empirisch laufenden Forschung zur »Wandtemperierung als Trockenlegungsmethode« zu leisten, da das Projekt Langzeitfeuchtemessungen durch das Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt e.V. beinhaltet.

Die Außenhülle der Synagoge

Um das äußere Erscheinungsbild von Erdmannsdorffs einzigem Sakralbau wiederherzustellen, wurde nach Möglichkeiten gesucht, traditionelle historische Materialien und Techniken anzuwenden. Es gelang, für das von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geförderte Projekt Erfahrungen mit der Kalktechnologie aus einem Schwesterprojekt in Kloster Michaelstein zu nutzen. Die vom Mittelalter noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts üblichen Putztechniken sind in den letzten 80 Jahren langsam außer Gebrauch gekommen, obwohl ihre Anwendung große Vorteile bringt. Auf der Baustelle gelöschter, mit Sanden gemischter Stückkalk zeigt als Mörtel nicht nur hohe Festigkeiten, sondern unterliegt auch durch den Einschluss sogenannter »Kalkspatzen« – kleiner noch nicht auskarbonatisierter Kalkeinschlüsse – der permanenten Nachhärtung, einer Art Selbstheilung.

Eine zusätzliche Herausforderung bei der Auswahl eines geeigneten Kalkmörtels war der im Mauerwerk der Synagoge vorhandene Salzgehalt. Da Salzeinträge durch die oben erläuterten Bedingungen auch künftig nicht ausgeschlossen werden können, war ein Kalkputz zu finden, der einen möglichst guten Salztransport vom Mauerwerk zur Putzoberfläche gestattet, ohne beim etwaigen Auskristallisieren der Salze Putz abzusprengen. In Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt wurde ein Putz entwickelt, dem grobe Korngrößen von 2 bis 8 mm im Unterputz beigemischt sind und der daher eine gute Deponierung der Salze ermöglicht. Es handelt sich um einen »Salzreduzierungsputz«, der auf Grund der Verwendung historischer und regionaler Materialien dem bauzeitlichen Putz sehr nahe kommt. Und selbst für den Planer überraschend: Dieser Putz und seine Verarbeitung verursachten keinerlei Mehrkosten gegenüber der Verwendung von industriell gefertigtem Werktrockenmörtel.

Farbgestaltung außen und innen

In neuer farbiger Gestalt präsentiert sich die Bauhülle der Synagoge, nachdem die Gerüste gefallen sind. Das Farbprogramm konnte im Analogieschluss von der Laterne übernommen werden, wo sich noch Reste der gelblichen Farbfassung fanden, die mit grauen Elementen gegliedert war. An der übrigen Fassade waren alle bauzeitlichen Putze verloren, lediglich in den Giebeldreiecken über den Türen fanden sich Fragmente, auf denen sich die ursprüngliche gelbe Farbgebung für die Rücklagen nachweisen ließ. Bei der jetzigen Restaurierung wurden im Außenbereich auf den frischen Putz Farbpigmente in Kalkmilch aufgetragen, die nun freskal abbinden konnten – in der historisch belegten Technik und zugleich in der dauerhaftesten Bindung, die für Farbfassung auf Putz denkbar ist. Die ästhetische Wirkung eines solchen Kalkanstrichs lässt das historische Erscheinungsbild in seiner Lebendigkeit und klaren Farbigkeit wieder aufleuchten.

Messbildaufnahmen aus den 1930er Jahren zeigten, dass die Farbfassung des Betraumes vor 70 Jahren monochrom hell gehalten war. Mehrfache Überfassungen und Vergilbungen von Bindemitteln hatten zuletzt zu einer türkis erscheinenden Kuppelausmalung geführt, doch wiesen Farbuntersuchungen hier ein nur wenig mit Bleiweiß gebrochenes Preußischblau nach. Nach der jüngsten Restaurierung erwartet den Besucher nun im Inneren der Synagoge ein überraschender Farbklang, ein intensives Blau in der Kuppel, ein kräftiges Ziegelrot auf den Wandflächen und ein helles Gelb an Strahlenkranz und Sternen. In der Zusammenschau mit der gegenwärtigen Ausstellung wird der Betrachter möglicherweise verführt sein, diese Farbgebung zur modernen Gestaltung zu zählen, obgleich er das nachgewiesene bauzeitliche Farbkonzept vor sich sieht.
 

 
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Einblicke – Jüdische Geschichte in Anhalt

Die Ausstellung in der Synagoge bietet einen Einblick in die Geschichte des jüdischen Lebens in Anhalt und stellt einzelne jüdische Persönlichkeiten vor.

Öffnungszeiten

April und Oktober täglich 11:00–17:00 Uhr
Mai bis September täglich 11:00–18:00

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