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Pressemitteilung vom 1. Juli 2005

»Gedancken über die Nachahmung...«

Kopie – Reproduktion – Nachbildung.
Wege der Kunstvermittlung in der Zeit der Aufklärung

Eine Ausstellung der Kulturstiftung DessauWörlitz im Rahmen des Landesprojektes »Sachsen-Anhalt und das 18. Jahrhundert« Ausstellungsort: Galerie und Haus der Fürstin in Wörlitz Ausstellungszeitraum: 2. Juli bis 25. September 2005 Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag: 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr


Neben der Funktion der Repräsentation und Dekoration erfüllten Kunstsammlungen im 18. Jahrhundert zunehmend auch Bildungsaufgaben. Auf Reisen, insbesondere zu den antiken Stätten und den Zentren der Renaissance in Italien erwarben Sammler neben Originalen auch Kopien, Reproduktionen, Abgüsse oder Modelle von Kunstwerken, die der Vermittlung neuer künstlerischer und geistiger Ideale dienten. Häufig unterstützen sie später auch als Bestandteile eines Rauminterieurs eine inhaltlich-programmatische Aussage.

Im Zeitalter der Aufklärung bediente man sich in besonderem Maße der Kunstobjekte bei der Vermittlung neuer ästhetischer Anschauungen. Eine qualitätsvolle Nachbildung konnte als Transporteur der Botschaft genauso wirksam sein wie ein Original. Johann Joachim Winckelmann, mit dem Fürst Franz von Anhalt-Dessau einen intensiven Austausch pflegte, hatte mit seinen „Gedancken über die Nachahmung der griechischen Wercke der Mahlerey und Bildhauer-Kunst” den Boden dafür bereitet. So wuchs der Bedarf an entsprechenden Nachbildungen und Reproduktionen.

Ausgehend von der fürstlichen Anhalt-Dessauischen Sammlung mit ihren vielen Grand-Tour-Souvenirs werden verschiedene Arten von Kopien, Reproduktionen und Nachbildungen ausgestellt. Dazu gehören in erster Linie Kupferstiche (Giovanni Volpato, Giovanni Battista Piranesi), Kopien und Abgüsse antiker Plastiken (Giacomo Zoffoli), Korkmodelle (Antonio Chichi) und Gemmenabdrücke (Christoph Dehn). Für die Ausstattung zahlreicher Räume in den fürstlichen Schlössern und dem Gotischen Haus erwarb man auch Kopien nach bedeutenden Werken von Rafael, Tizian und den Caraccis, die von so anerkannten Künstlern wie Heinrich Olivier oder Anton von Maron geschaffen wurden.


Verschiedentlich wurden Maler wie der Wiener Joseph Kurz speziell beauftragt, einzelne Gemälde vor allem von Antonis van Dyck aus Wiener Sammlungen zu kopieren.

Hervorragende Kopien erlangten den Rang eigenständiger Kunstwerke wie etwa die Punktierstiche Francesco Bartolozzis nach Zeichnungen von Hans Holbein d.J. oder die Aquatinta-Blätter der Dessauer Chalkographischen Gesellschaft. Bildhauer und Keramiker wie Friedrich Wilhelm Eugen Doell, Friedemann Hunold, Martin Gottlieb Klauer oder Josiah Wedgwood übersetzten antike Werke in andere Materialien und schufen somit auch für eine breite Käuferschicht Kunstobjekte, deren antike Vorbilder aber unverkennbar blieben.

In der von Friedrich Wilhelm von Erdmannsdorff für Dessau geplanten künstlerischen Bildungsanstalt für Handwerker wollte man erstmals Kunst zum Lehr- und Anschauungsobjekt für eine nichtakademische oder aristokratische Schicht machen und damit pädagogisches wie künstlerisches Neuland betreten. Obwohl nie zur Gänze realisiert, wurde hier ein aufklärerisches Modell entwickelt, dessen Echo bis in das Lehrprogramm des Bauhauses nachhallte.

Im Rahmen des Gesamtprojektes für 2005 wird die Wörlitzer Ausstellung die Nutzung einer fürstlichen Sammlung als Vorbild für die künstlerische und ästhetische Bildung breiter Bevölkerungsschichten im 18. Jahrhundert darstellen. Hierzu stehen der Kulturstiftung DessauWörlitz attraktive Exponate aus den eigenen Sammlungen zur Verfügung, ergänzt um Leihgaben aus anderen Museen.

Die Ausstellung erlaubt es, die neugotische Galerie am Haus der Fürstin nach über 60 Jahren wieder mit wesentlichen Teilen ihres historischen Interieurs - mehreren großen neugotischen Sammlungsschränken sowie Reproduktionsstichen der Loggienausmalungen des Vatikans in speziellen Klapprahmen - einzurichten. Erstmals werden auch Räume des ehemaligen Wohnhauses der Fürstin Luise, dem zukünftigen Ausstellungszentrum der Kulturstiftung DessauWörlitz, genutzt werden.

Zur Ausstellung ist ein umfassender und reich illustrierter Katalog erschienen, der auch die beiden Partner-Ausstellungen in Stendal und Halle beinhaltet (19,80 €).

Die Ausstellung wird durch das Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt gefördert.

Pressekontakt:

Erdmute Alex, Leiterin Referat Öffentlichkeitsarbeit
Kulturstiftung DessauWörlitz
Schloss Großkühnau
06846 Dessau-Roßlau
+49(0)3 40 / 6 46 15-41
+49(0)3 40 / 6 46 15-50
e.alex@ksdw.de

 

Kontakt

Öffentlickeitsarbeit

Erdmute Alex
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